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Notizen-Archiv


Sorgenwelle Bayern 3 und der Artenschutz
oder wie holt man die verlorene Jugend zurück....

Neuer Besen kehrt in der etwas glücklosen Abteilung von Bayern 3. Mit Rainer Tief, 34, dem bisherigen Leiter der Pressestelle des Bayerischen Rundfunks übernimmt erneut ein Mann der Worte die Leitung der jugendorientierten Welle des BR. Er tritt sein Amt mit hohem journalistischen Anspruch an, welches ja im Grunde sehr lobenswert ist. Ob ihm dieses Vorhaben gelingt und er damit die verlorenen Hörer zurückgewinnt, werden wir hören und in den nächsten MA-Zahlen auch lesen. Mit Klaus Greiner als Chef der Nachrichten und dem vom SWF 3 importierten Klaus Bleicher als Chef vom Dienst stehen ihm erfahrene Leute zur Seite. Ob man jedoch mit betont journalistischem Anspruch allein den Geschmack der zu den Privaten abgewanderten Hörer befriedigt, ist aufgrund der MA-Zahlen, verglichen mit ANTENNE BAYERN, zumindest fraglich. Die journalistische Kompetenz des BR und so auch die vom Bayern 3 wurde noch niemals in Frage gestellt. Aber die Art der Verschmelzung der verschiedenen Programmelemente - darunter die Musik als wichtigste Komponente - zu einem Ganzen, leider ja.

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In dem Amt des B3-Wellenchefs sind, seit der Geburt der direkten landesweiten privaten Konkurenz (5. September 1987), bereits einige gescheitert. Claus Erich Boetzkes kam mit großem Getöse, ließ mit aller Gewalt und teilweise gegen den Willen seiner Musikredakteure viel deutsches Liedergut à la Nicole, Roy Black und Roland Kaiser auf B3 spielen und scheiterte. Auch der immer wieder mal als Koordinator eingesetzte Thomas Gottschalk konnte die Sorgenwelle des BR nicht mehr zum erhofften Erfolg verhelfen. Der letzte Pleitier der Servicewelle, Rüdiger Stolze, schmiß zuerst viele altbewährte Moderatoren und noch mehr (Gebühren-) Geld für neue Selbstfahrerstudios raus und scheiterte ebenfalls. Es ist schon sehr merkwürdig, daß die Jugend-, Service-, aber vor allen Dingen musikorientierte Welle des BR immer wieder von Journalisten geleitet werden soll, die zwar gut im Wort sind, aber wenig Erfahrung mit dem musikalischen Geschmack der angepeilten Zielgruppe haben. So wird es schwierig, dem erfolgreichen privaten Konkurenten ANTENNE BAYERN Hörer abzujagen. Es ist keine Schande, gegen einen besseren Gegner zu verlieren! Die früher oft (manchmal auch heute noch) Belächelten können es nun mal besser!

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Die Rollenverteilung in diesem öffentlich-rechtlichen-Theater ist zumindest fragwürdig, die Dramaturgie kapriziös und teilweise schwer nachvollziehbar. Der am 16. Oktober 1997 in seinem Amt für weitere vier Jahre (mit 38 von 41 Stimmen) bestätigte BR-Intendant Prof. Albert Scharf setzte in seinem Programmkonzept auf seriöse Information, Kultur und regionale Berichterstattung. Das ist nichts neues und ohnehin sein öffentlich-rechtlicher Auftrag als Gebührenempfänger.

Ob Hörfunkdirektor Thomas Gruber aber mit seiner Personalpolitik eine gründliche Rechnungsprüfung nach objektiven betriebswirtschaftlichen Kriterien bestehen würde, ist zu bezweifeln. Er hebt den 58jährigen gescheiterten B3-Wellenchef Rüdiger Stolze vom Stuhl und setzt ihn auf einen anderen (Abteilung Innovative Programmentwicklung), wo er seinen Aufgaben allein wegen der Neuigkeit der Materie, nämlich Digital Radio und Internet-/Online-Kommunikation wahrscheinlich ebenfalls nicht gewachsen ist.

Es ist schon merkwürdig, daß jemand, der die Jugendwelle nicht zum Erfolg führen konnte, jetzt zum innovativsten und auch von der bayerischen Politik stark geförderten, zukunftsträchtigten Programmteil DAB-Digital-Radio abgeschoben wird. Ob ihn die BR-Spitzenfunktionäre mit dieser "Beförderung" auf den "Elefantenfriedhof" schicken oder nur zwischenzeitlich parken wollen, bleibt ihr Geheimnis.

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Stolze erklärt sogar stolz, daß er außerhalb des Tagesgeschäfts Impulse setzen will, die für die Zukunft unserer Radioprogramme (die vom BR) wichtig sind. Bei der DAB-One-Man-Show Bayern Digital ist er im Tagesgeschäft wirklich nicht benötigt, vielleicht bei Bayern 5 Aktuell. Wie kann er in der täglich exponentiell wachsenden und verändernden Welt des Internets und bei der ebenfalls rasanten Entwicklung der digitalen Übertragungstechnik "außerhalb des Tagesgeschäfts" in erklärter Abwesenheit bestehen? Wie versteht ein 58jähriger verdienter (Wort-)Journalist diese sehr jungen Medien? Weiß er, daß ein POP-Server nichts mit Musik und ein WAIS nichts mit den fünf Wirtschaftweisen, L-Band und K-Band nichts mit Lang- oder Kurzweiligem zu tun haben?



Online-Gurke
Merkwürdig ist diese (BR-)Welt! Warum kann man einem guten Journalisten, der Stolze ja unbestritten ist, nicht einen seinem Können entsprechenden Job anbieten und ihn dort weiterbeschäftigen? Ist es nicht unverantwortlich ihn als Leiter der Abteilung "Innovative Programmentwicklung" erneut auf Glatteis zu schicken? Hoffentlich bekommt er keine (hauseigene) Online-Gurke aus dem BR-online-café serviert.

Warum muß es im BR nach den Regeln des Artenschutzes laufen? Wenn jemand etwas nicht kann, dann wird er von dort aus der Schußlinie auf einen "Parkplatz" weggelobt, bzw. weiterbefördert um weiter nicht negativ aufzufallen. Dann wartet man erst mal ab. Kommt Zeit, kommt Rat (wohin mit ihm?). Es ist leider so, daß wenn jemand beim BR einmal etwas "geleitet" hat, kann er auf der Karriereleiter nicht mehr runter-, sondern nur rauffallen, und muß nach ungeschriebenen BR-internen Artenschutzregeln weiter als "Leiter von irgendwas" weiterbeschäftigt werden. Den Gebührenzahlern sei's Dank.

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Viele talentierte Mitarbeiter trauen sich nicht, sich zu solchen Vorgängen öffentlich zu äußern, um Repressalien zu vermeiden und nicht als Netzbeschmutzer zu gelten. In persönlichen Gesprächen beklagen sie aber, daß sie ihr handwerkliches Können und ihre neuen Ideen gerne zeigen würden, aber dafür keine Chance bekommen. Wenn jemand einmal unter einem Abteilungsleiter dessen (später als falsch erwiesenen) Anweisungen folgend, Teil einer Loser-Mannschaft war, bekommt er oft kein Mikrofon und Plattenteller mehr in die Hand.

Es gibt genug fähige Moderatoren im BR, die teilweise aus der Privatfunkszene zum BR kamen und ihr Handwerk, trotzdem oder sogar gerade deswegen, voll beherrschen, aber nicht zum Zug kommen. Aber der BR beschäftigt teilweise hochbezahlte Berater von Außen, obwohl die eigenen Indianer den Pfad zu den verlorenen Hörern vielleicht schneller finden könnten. Nebeneffekt für die Gebührenzahler: es käme auch wesentlich billiger.

Artenschutz ist gut für die Ökologie, aber er gilt oft als schädlich in der Ökonomie, dort bevorzugt man eher die Evolution...

Akos Vida

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